Wednesday, 25. november 2009
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Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Mensch

en, den wir lieben
am
mindesten aussagen können, wie er sei.
Wir
lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die
Liebe, das Wunderbare an der
Liebe, dass sie uns in der
Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn
liebt, sich wie
verwandelt fühlt, wie
entfaltet, und dass aus dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das
lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die
Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das
Erregende, das
Abenteuerliche, das eigentlich
Spannende, dass
wir mit den Menschen, die wir
lieben, nicht fertig werden: weil wir sie
lieben, solange wir sie
lieben.
Man höre bloß die
Dichter, wenn sie
lieben, sie tappen nach Vergleichen, als wären sie
betrunken, sie
greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche
Geräumigkeit,
schrankenlos, alles Mögliche voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, den man
liebt. Nur die
Liebe erträgt ihn so. Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der
Liebe, jedes Mal, aber
Ursache
und
Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind, nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt:
weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns.
Er muss es sein.
Wir können nicht mehr! Wir kündigen ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen.
Wir verweigern ihm den Anspruch auf alles Lebendige, dass unfassbar bleibt, und zugleich sind
wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.
Du bist nicht, sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte,
wofür ich dich gehalten habe.
Und wofür hat man sich gehalten?
Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das anzuhalten wir
müde geworden sind.
Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat ...
Du sollst dir kein Bildnis machen,
heißt es von Gott. Es dürfte auch in diesem Sinne gelten:
Gott als das Lebendige in jedem Menschen, das, was nicht erfassbar ist. Es ist eine
Versündigung, die wir, so wie sie an uns begangen wird, fast ohne Unterlass wieder begehen
Ausgenommen, wenn wir
lieben.
Denkt mal drüber nacht, hervorragender text und doch so unglaublisch schockierend wahr!